Der Arbeitgeberverband Südhessen
im Spiegel von fünf Jahrzehnten deutscher Zeitgeschichte
Index > Die 50er > Die 60er > Die 70er > Die 80er > Die 90erAufbruch - Die 80er Jahre: Die politische Wende
1982 kommt es zur politischen „Wende“ in der Bundesrepublik. Das sozialliberale Bündnis wird von der Koalition zwischen CDU und FDP unter der Kanzlerschaft von Helmut Kohl abgelöst. Den „Grünen“ gelingt es, sich endgültig als politische Größe durchzusetzen, nachdem sie bei den vorgezogenen Bundestagswahlen am 6. März 1983 knapp die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug in den Bundestag geschafft haben. Die Themen Umwelt und Ökologie erhalten ein immer größeres Gewicht. Davon sind zunehmend die Unternehmen betroffen.In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts boomt die Wirtschaft. Der Aufschwung führt zu einem deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit. Die Unternehmen schaffen rund 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Deutschland profitiert von dem nachhaltigen weltwirtschaftlichen Erholungsprozess und von der wiedererstarkten Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Eine Ursache für den langanhaltenden Boom ist der Durchbruch der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) in Form des Personal Computers (PC) als Massenprodukt. Der Börsen-Crash vom 19. November 1987 bleibt für die deutsche Ökonomie ohne nachhaltige Auswirkung, was als Indiz für das stabile Wirtschaftssystem gedeutet wird.
Die Arbeitszeitdebatte
In der Tarif- und Sozialpolitik werden die 80er Jahre beherrscht von der Auseinandersetzung um den Einstieg in die 35-Stunden-Woche. Nach mehr als sechsmonatigen Tarifverhandlungen wird als Schlichtungsergebnis die 38,5-Stundenwoche ab dem 1. April 1985 mit individueller Differenzierung und Flexibilisierung bekanntgegeben. Vorausgegangen ist auch in Südhessen ein Arbeitskampf mit Streik und Abwehraussperrung zwischen dem 21. Mai 1984 und dem 27. Juni 1984. In diesem Konflikt geht es aus Arbeitgebersicht um die prinzipielle Frage, inwieweit die von den Gewerkschaften verfolgte Politik der immer weiteren Arbeitszeitverkürzungen gestoppt werden kann, da sie Kosten erhöht, die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert und Arbeitsplätze gefährdet.Sich der Verantwortung stellen
Der Arbeitgeberverband öffnet sich in den 80er Jahren verstärkt unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen: Der Erfahrungsaustausch zwischen Schule und Wirtschaft wird vertieft. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet der Einsatz des Informationsbusses „InfoMobil“. Die rollende Berufsinformation für Acht- und Neuntklässler stößt bis heute auf reges Interesse. „Der Infobus entwickelt sich zum Renner“, überschrieb dann auch die „Odenwälder Heimatzeitung“ vom 10. Juni 1989 die Erfolgsgeschichte des multifunktionalen Fahrzeuges. In seinem Inneren können sich die Schülerinnen und Schüler eingehend über die Berufe in der Metall- und Elektroindustrie informieren. In den 80er Jahren wird diese besondere Form der Werbung für die Berufe in der Metall- und Elektrobranche geschätzt, da ein Lehrstellenüberhang besteht. So schreibt dann auch die „Frankfurter Rundschau“ am 7. Juni 1989: „Lehrlingssuche per Info-Bus“.1986 entsteht der Arbeitskreis Kirche-Wirtschaft. In zahlreichen Foren und Diskussionsrunden kommen geistliche Vertreter mit Firmen in Kontakt, um über Arbeitsbedingungen und die Auswirkungen auf den Mensch zu sprechen. Über die „Arbeitswelt hinter den Werkstoren“ („Glaube und Leben“ vom 15. Juni 1986), informiert sich beispielsweise Weihbischof Wolfgang Rolly im Juni 1986 beim Reifenwerk Veith Pirelli AG in Breuberg. Während seiner Visite wird kontrovers über die Einführung flexibler Arbeitszeiten diskutiert, wobei auch die Frage nach der Sonntagsarbeit aufgegriffen wird. Das für beide Seiten fruchtbare Gespräch endet mit dem Fazit „Der Sonntag bleibt vorerst noch arbeitsfrei“. Dieser „besondere Tag der Woche“ („Darmstädter Echo“ vom 13. November 1989) steht auch im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Neugestaltung der Arbeitszeit - Flexibilisierung und Wochenendarbeit“, die der Arbeitskreis im katholischen Bildungszentrum in Darmstadt 1989 ausrichtet. Vertreter beider christlichen Kirchen, Arbeitgeber aus Darmstadt und der DGB kommen zu dem übereinstimmenden Schluss, dass die „Sonntage einen Kulturraum darstellen, und als besonderer Tag der Woche zur Eigenbesinnung, Religionsausübung und dem Familienleben dienen sollen“.
Im Jahre 1985 gründet sich der südhessische Beirat der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände. Erste Kontakte mit dem Arbeitgeberverband in Troyes (Frankreich) werden aufgenommen.
Gesellschaftspolitische Aktivitäten des Verbandes sind das MBSE Projekt, mit dem arbeitslose Jugendliche für eine Berufsausbildung oder eine Arbeitsaufnahme qualifiziert werden.
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