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Der Arbeitgeberverband Südhessen
im Spiegel von fünf Jahrzehnten deutscher Zeitgeschichte

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Krise - Die 70er Jahre: Das Jahrzehnt der Unsicherheit

Unter Bundeskanzler Willy Brandt kommt es zum ersten Mal zur Bildung einer sozialliberalen Koalition. Wesentliche Merkmale der neuen Regierung, die unter dem Slogan „Mehr Demokratie wagen“ angetreten ist, sind eine neue Ost- und eine umfassende Reformpolitik. Innenpolitisch versetzt der Terror der extremen Linken die Deutschen in Angst und Schrecken. Zahlreiche Repräsentanten der Gesellschaft fallen der „Roten Armee Fraktion” und ihren Sympathisanten zum Opfer. So auch 1977 Hanns Martin Schleyer, der damalige Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Schleyer wird am 5. September 1977 von linksextremen Terroristen entführt, die ihn ermorden, nachdem ihre Forderung nach Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen aus der Baader-Meinhof-Bande abgelehnt wird.

Trotz einer zeitweiligen Rezession und der Ölkrise hält die wirtschaftliche Prosperität an. Die Bundesrepublik entwickelt sich zur führenden Wirtschaftsnation in Europa, obwohl ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen ist. Wie ein roter Faden durchzieht die Wirtschaftspolitik das Bemühen der Verantwortlichen, die Entwicklung zu stoppen und zu alter Stabilität zurückzufinden. In der Tarif- und Sozialpolitik kommt es zu kontroversen Debatten um die Mitbestimmung und 1972 zur Verabschiedung des Mitbestimmungsgesetzes, das von den Gewerkschaften als Einstieg in umfassende Mitbestimmungskonzepte verstanden wird. Für die Arbeitnehmer sind die 70er Jahre geprägt von weiteren Steigerungen der Löhne und Gehälter. Mit dem Slogan „Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand“ wird zusätzlich die Erhöhung der vermögenswirksamen Leistungen für Arbeitnehmer von 312 Mark auf 624 Mark durchgesetzt.

Für die Westdeutschen beginnen die Jahre der Kapitalbildung. Finanzielle Rücklagen ermöglichen einen höheren Lebensstandard. Der einsetzende Massentourismus findet seine Ziele vorwiegend in Italien und Spanien.

Zur kulturellen Selbstverständlichkeit werden in den 70er Jahren die Massenmedien, insbesondere das Fernsehen.

Die Öffentlichkeit gewinnen

Angesichts des größer werdenden Einflusses der öffentlichen Meinung auf die Tarifpolitik fordert der Geschäftsführer des Verbandes, Dr. Kurt Högy, in seinem Geschäftsbericht 1972, dass eine langfristig angelegte Informations-, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit an der Basis auf regionaler Ebene die „klassischen Aufgaben“ eines Arbeitgeberverbandes zu ergänzen habe. Sein Nachfolger, Dr. Hubert Stadler, baut die Öffentlichkeits- und Pressearbeit weiter aus. In der Informationsbroschüre „Öffentlichkeit und Wirtschaft“ von 1978 werden in systematischer Form Ziele, Inhalte und Methoden beschrieben.

Ein wichtiges verbandsinternes Ereignis findet am 25. April 1978 statt: Der Beschluss der Satzungsänderung auf der Jahresmitgliederversammlung. Aus dem „Gesamtverband industrieller Arbeitgeber für Darmstadt und Südhessen e.V.“ wird der „Gesamtverband der Arbeitgeber Südhessen e.V.“. Mit dem im September 1977 gegründeten branchenübergreifenden Ausbildungsleiterkreis wird der Informationsaustausch über die Lehrstellensituation, Berufsschulen und das Arbeitsamt verbessert.

Von großer bildungs- und arbeitsrechtlicher Bedeutung für Hessen sind die Einweihung des Bildungshauses in Bad Nauheim am 9. Juli 1971 und die Gründung des Bildungswerkes der Hessischen Wirtschaft im Jahre 1972.

Zusätzlich werden die Arbeitskreise Schule/Wirtschaft aufgebaut und mit der Hochschule im Wintersemester 1978 die Vortragsreihe „Akademiker und Wirtschaft“ organisiert.

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