Bildung als Wachstumsmarkt der Zukunft braucht: mehr Energie, Engagement und Effizienz
Darmstadt. „Wir brauchen im Bildungssektor mehr Qualität und Innovationskraft. Die Politik muss ihn aktiv enger vernetzen und nachhaltig Ineffizienzen beseitigen“, forderte Reinhold Stämmler, Geschäftsführer der Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT Südhessen anlässlich des 31. Jahresgesprächs der Arbeitskreise am 10. Juni 2010 im „Alten Schalthaus“ in Darmstadt. Vom Ziel, bis 2015 die Ausgaben für Bildung und Forschung von aktuell 8,6 auf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben und dies mit einer größeren Bildungsqualität zu verbinden, dürfe nicht abgerückt werden.Speziell die Anschlussfähigkeit der Schüler müsse flächendeckend verbessert werden: „Der Übergang von Schule ins Berufsleben funktioniert auch heute noch nicht. Nur jeder zweite Abiturient weiß, was er mit seinem Abschluss anfangen soll“, bemängelte Stämmler das derzeitige Schulsystem. „Wer jetzt in diesen Bereichen die Qualitätssteigerung verpasst, gefährdet unsere Wissensgesellschaft. Bildung ist das Kapital, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten! Entscheidend ist, was beim Schüler ankommt.“
In seinem Vortrag „Bildung, Demografie und gesellschaftliche Trends“ forderte Dr. Thilo Sarrazin, Vorstand der Deutschen Bundesbank, mehr Mut bei Reformen zu zeigen. Dabei gelte es gesellschaftliche Entwicklungen immer auch im Kontext fiskalischer und bildungsrelevanter Gegebenheiten zu reflektieren.
Die Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT Südhessen unterstützen seit über 30 Jahren den Erfahrungsaustausch zwischen Fach- und Führungskräften aus dem Bildungs-, Hochschul- und Beschäftigungssystem. Im Fokus der Arbeit steht unter anderem die Profilbildung von Schulen, die Einmündung von Schülern in Beruf und Studium und die gezielte Fortbildung von Lehrern aller Schulformen. In diesem Schuljahr wurden 35 Veranstaltungen mit 1.051 Teilnehmern unentgeltlich durchgeführt. Davon profitiert das regionale Bildungsnetzwerk mit Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Unternehmen, aber auch die Technologieregion Südhessen im Wettbewerb der Standorte um qualifizierte Mitarbeiter, innovative Arbeitsplätze und intelligente Produkte. Mit den Projekten MINT, TTT – Technik, Teams, Talente, Übergangsmanagement und BEST-Profile steht die technisch-naturwissenschaftliche Berufsorientierung im Vordergrund.
Besonders verdient gemacht haben sich durch ihre ehrenamtliche Arbeit in den Arbeitskreisen Peter Korndörfer, Berufliches Schulzentrum Odenwaldkreis, Roland Lichtblau, ehemals Carl-Weyprecht-Schule Bad König (je 15 Jahre) und Lothar Rumrich, Schillerschule Bensheim (17 Jahre). „Sie werden für ihr beispielhaftes Engagement geehrt, mit dem sie nachhaltig Ziele, Inhalte und das Profil der Bildungsaktivitäten von SCHULEWIRTSCHAFT geprägt haben“, sagte Stämmler und betonte gleichzeitig die Bedeutung aller ehrenamtlichen Mitarbeiter: „Ohne sie hätten wir unsere Bildungsangebote nicht erweitern und um Schulpartnerschaften, Managementseminare und Fortbildungen zur Qualitätsentwicklung bereichern können.“
Wie in Südhessen im Rahmen des Projektes BEST-Profile beispielhafte pädagogische Arbeit in Gymnasien umgesetzt wird, präsentierten zwei Schulen. In der Eleonorenschule in Darmstadt findet eine unterrichtlich verankerte Berufsorientierung statt. Oberstufenschüler können eine besondere Lernleistung als Teilprüfung für das Abitur erbringen. „Die dabei gewonnenen praktischen Erfahrungen mit Berufen und Studiengängen verbessern die Chancen bei der Bewerbung“, sagte Schulleiter Jürgen Krell.
In der Beruflichen Gymnasialen Oberstufe am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis in Michelstadt können Schüler ihre individuellen Profile anhand besonderer Lernarrangements vertiefen. „In einem Netzwerk von Unternehmen und Hochschulen gewinnen sie Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten und betriebstypische Problemlösungsstrategien. Besonders erfreulich ist, dass über 70 Prozent der Schüler nach der Phase des Profiling Berufs- und Studienvorschläge passend zu ihren Kompetenzen gefunden haben“, sagte Wilfried Schulz, Leiter der Gymnasialen Oberstufe des Schulzentrums Odenwaldkreis.
Stämmler forderte abschließend, die Selbstständigkeit der Schulen flächendeckend zu fördern: „Die Politik muss ihren Hausaufgaben nachkommen. Innovative Projekte und Schulprofile können nur realisiert werden, wenn Schulen selbstständig ihre Vorstellungen eines kompetenzorientierten und individuellen Lernens bis zur Hochschulreife umsetzen können. Hierfür brauchen sie verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen, qualifizierte Fachkräfte und professionelle Prozessbegleitung.“
Reinhold Stämmler
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