Mit neuen Steuerungsinstrumenten zu mehr Bildungsqualität
„Schüler müssen wissen, was Hochschulen und Betriebe von ihnen erwarten. Auf dem Weg zu Studium und Berufsausbildung müssen Schulen ihre Bildungs- und Steuerungsprozesse weiter verbessern“, fordert Reinhold Stämmler, Geschäftsführer der Arbeitskreise SchuleWirtschaft Südhessen.| Reinhold Stämmler, Geschäftsführer Arbeitskreise SchuleWirtschaft Südhessen, Referent Prof. Peter Sloane, Rainer Assmann und Frank Edel, beide BARMER GEK (v.l.). |
In seinem Vortrag “Kompetenzorientierter Unterricht zwischen Bildungsstandards, Lehrplänen und Zentralprüfungen” beim Gastgeber Barmer/GEK am 20. Januar 2010 stellte der Experte neue Steuerungsinstrumente - wie Bildungsstandards, Europäischer und Deutscher Qualifizierungsrahmen sowie Lernfeldcurricula vor. Dabei sparte er auch nicht mit Kritik am Umgang mit den Ergebnissen von PISA und anderen Vergleichsstudien, die heute die Grundlage für neue Bildungsstandards liefern, ohne dass die Unterschiede, die zu diesen Ergebnissen geführt haben, hinterfragt worden sind. Denn, so Prof. Sloane: “Wesentlich beim Bildungsstandard ist, welche Leistungen das System erbringt und wie sich diese in den Kompetenzen der Schüler abbilden. Dabei stehen Lehrerinnen und Lehrer vor der Herausforderung, ihren Unterricht neu zu gestalten, um dem Paradigmenwechsel von der Input- zur Outputsteuerung gerecht zu werden.
Die Frage ist: Wie interpretieren LehrerInnen Bildungspläne und welche Konsequenzen hat das für die pädagogische Arbeit?
Die Antworten sind vielschichtig. Prof. Sloane unterscheidet beim Kompetenzerwerb zwischen einer Oberflächenstruktur (Handeln) und einer Tiefenstruktur. Kompetenz - definiert als Ausdruck einer Handlung in Form einer Tätigkeit - resultiere aus dem Wechselspiel zwischen Oberflächen- und Tiefenstruktur und werde über das Handeln in die Tiefenstruktur verankert. Die in diesem Kontext gestellten Aufgaben dienen dazu, den jeweiligen Ist-Zustand festzustellen. Wichtig sei es, zuerst die Kompetenzmodelle zu definieren und erst dann die Aufgaben festzulegen. Denn, so Prof. Sloane: “Eine Testaufgabe ist nicht automatisch eine Aufgabe, die zur Entwicklung führt. Wenn Testaufgaben benutzt werden, um Unterricht zu organisieren, entstehen Verwerfungen.” In der Praxis sieht er ein sich verschärfendes Spannungsverhältnis von Zentralisierung und Individualisierung. „Ausgehend von Bildungsstandards und zentralen Prüfungen werden Prozesse zentralisiert. Bei der Bildungsarbeit vor Ort hingegen geht es um individuelles Lernen,” erläuterte der Experte und zog den Schluss: “Im Grunde müsste jeder Schüler einen individuellen Bildungsplan haben.”
Sloane erhärtete seine Spannungsthese durch folgende Erkenntnisse:
• Standards zielen auf Systemanalysen, wirken jedoch in den Unterricht hinein
• Eher offene Lehrpläne wie das Lernfeld-Konzept erfordern Gestaltungsspielraum vor Ort
• Qualifikationsrahmen positionieren Bildungsgänge zueinander
• Zentralpüfungen regulieren im Sinne eines heimlichen Curriculums
• Die externen Referenzsysteme nehmen zu, gleichzeitig erhöht sich die Notwendigkeit individueller Förderung
Sloane bezeichnete Systembrüche als unvermeidlich, doch “was macht die Schule, um individuelle Unterschiede zu berücksichtigen?”
Er skizzierte das Bild einer pädagogischen Handlungskette von Input, Umsetzungsprozess, Output und Outcome. Der Input impliziert Vorgaben wie Ressourcen, Rahmenbedingungen, Lehrpläne usw.. Der Prozess ergibt sich aus Unterrichtsformen, und didaktischen Konzepten. Output subsummiert Lernergebnisse, Lernerfolg, Lernziele usw.; Outcome umfasst Wirkungen jenseits der Schule wie berufliche Leistungen und Praxiserfolg. Prof. Sloane plädierte für eine Kontextsteuerung, denn “man muss die Bedingungen schaffen, damit Menschen die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln. Das heißt: Schule wird als Ort begriffen, der dazu beiträgt, dass Entwicklung in eine bestimmte Richtung stattfindet.”
Wichtig für die Arbeit der Schule sind: Bildungsziele, Kompetenzmodelle, Aufgabenentwicklung und ein empirisches Prüfkonzept.
Sein Fazit: “Lehrer müssen Vorstellungen entwickeln, wie Lernen funktioniert und mit anderen Fachlehrern interagieren. Insbesondere gilt es, selbstorganisiertes Lernen zu fördern und Qualitätsmaßstäbe für Lernsituationen zu entwickeln.“
Der Vortrag von Professor Sloane kann ab Februar auf der Internetseite des Verbands heruntergeladen werden.
Reinhold Stämmler
06151/2985-43
E-Mail: info@agvda.de



